Was sind die wesentlichen Merkmale?
Die Reiterei ist geprägt von Schönheit und Eleganz, sie besticht durch ihre Leichtheit.
Diese Leichtheit, die scheinbare Mühelosigkeit resultiert aus einer Aktivität der Hinterbeine bei einer Geschmeidigkeit des Pferderückens, die Hilfengebung erfolgt im wesentlichen aus dem Schwerpunkt und dem Sitz; Zügelhilfe bedeutet die Anlehnung des Zügels an den Pferdehals, „beim wohl ausgebildeten Pferd reicht die sanfte Wirkung des äußeren Zügels, um die Vorhand zur Seite zu führen, und der weiche Hang des Reiters nach innen zum Seitwärtstreiben der Nachhand“, wie Gustav Steinbrecht schreibt. Über das Gebiss wird lediglich der Rahmen vorgegeben.
Wesentlich ist die Entwicklung der Tragkraft, ohne Anspannung, geschweige denn Verspannung im Hals und Unterkiefer. Der Ausdruck der Energie basiert auf einer Entspannung, nicht auf Anspannung.
Ein gewölbter Pferderücken trägt den Reiter, eine weit untergeschobene Hinterhand trägt das Gewicht von Reiter und Pferd, völlig gleichgewichtet, bis hin zur völligen Entlastung der Vorhand in den Schulen über der Erde.
Ziel ist es, das Pferd in allen Lektionen einhändig zwischen den Zügeln zu führen – schließlich entstammt die Reitweise der Gebrauchsreiterei, d. h., eine Hand bleibt für die Arbeit frei.
Dazu ein Wort von Nuno Oliveira:
„Einzig ein ruhiger Reiter mit zarten und zurückhaltenden Hilfen ist fähig, ein wahrhaft fertiges Pferd zu reiten.
Bietet Anstrengung sich des Beschauers Augen, ist nullwertig, was hohe Schule sich zu nennen strebt.
Indess beinhaltet klassisches und akademisches Reiten kein mattes und glanzloses Schauspiel. Es ist ein heiteres und ausgeglichenes Spiel, in welchem das Pferd sich gefällt.“
Dieser Zustand von Harmonie und Gleichgewicht ist nur zu erreichen, wenn das Pferd gelernt hat, sich auf der Hinterhand auszubalancieren und den Reiter zu tragen.
Dazu muss zunächst der Rücken gekräftigt und die Oberlinie gedehnt werden, damit die Hinterbeine zum Schwerpunkt finden. Der Schwerpunkt des Reiters liegt dann über dem des Pferdes. Erst dann ist feines, verschleißarmes Reiten in allen Disziplinen möglich.
Dies versuchen wir durch durchdachte Gymnastizierung unter Berücksichtigung von
zu erreichen.
Es liegt uns besonders am Herzen, auch die geistige Kraft eines Pferdes zu entfalten. Es darf seine innere Kraft nicht verlieren, es soll Freude haben am Miteinander und an seiner Bewegung. Denn schon die alten Meister der Reitkunst haben oft mehr mit dem Kopf des Pferdes als mit seinem Körper gearbeitet.
Wenn wir ein Pferd ausbilden, wollen wir ihm nicht befehlen, sondern ihm mit Wohlwollen den Weg weisen.

Versammelter Trab

Galopp

Kruppeherein

Traversale rechts

Pesade