Klassische Reitkunst trifft Horsemanship

Daraus entstehen ohne mechanische Hilfsmittel klassische Dressurlektionen mit ihren gymnastizierenden Eigenschaften, nur aufgebaut auf Kommunikation, Motivation, Respekt und Vertrauen.
Beim Reiten mit Zäumung soll diese nur dazu benutzt werden, Signale zu übermitteln, nie zum Festhalten des Pferdekopfes in einer bestimmten Position. Das Pferd soll sich nicht der Mechanik einer Zäumung fügen, sondern selbstmotiviert Leistung für seinen Reiter erbringen. Die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Pferd fordert vom Menschen eine ganz andere Qualität, denn er ist gefragt, Konzentration, Motivation, Respekt und Vertrauen im Pferd zu wecken.
Wenn keine Kandare zur Hand ist, um zu zeigen, wer am längern Hebel sitzt, so ist der Reiter gefordert, seine Methodik zu überprüfen und kommt somit fast zwangsläufig auf andere Wege, dem Pferd etwas verständlich zu machen, und genau das ist die große Chance, wenn man sich selbst zwingt, ausgetretene Pfade zu verlassen.
Trotzdem möchte ich das Reiten mit Zäumung, auch mit der Kandare nicht verteufeln, ich benutze sie nach wie vor selbst. Aber der „zäumungslose Weg“ setzt diese in ein anderes Licht: Gebisse sind sehr wirksame Instrumente, dem Pferd etwas mitzuteilen, seine Balance zu verändern oder es zu versammeln. Sie dienen ausschließlich der Übertragung von Information und nicht dem Ausüben von Zwang oder dem Zusammenstellen des Pferdes durch Gegenhalten.
Wenn ich bewusst auf diese hocheffizienten Hilfsmittel für versammeltes Reiten, – evtl. auch nur zeitweise – verzichte, und für die Informationsübertragung Mittel wie Körpersprache, Halsring oder Gerte nutze, reduziert sich Zäumung auf eine Möglichkeit von vielen, dem Pferd etwas mitzuteilen.

Grundlage ist also wie gesagt eine gute Verständigung, und darin besteht auch die Faszination: Die Qualität der Mensch-Pferdebeziehung wird besser! Man muss lernen, sich auf pferdegemäße Weise seinem Partner mitzuteilen, das Verhalten des Pferdes zu analysieren und entsprechend zu reagieren. Wenn ich es nicht schaffe, alle Konzentration und Motivation meines Pferdes auf mich und seine Arbeit zu lenken, wird nichts gelingen. Es kann sogar sehr schnell sehr gefährlich werden. Nun bin ich aber weder lebensmüde noch Stuntfrau, aber ich habe erlebt, dass es möglich ist, mit Pferden eine Verständigung aufzubauen, die stärker ist, als jeder Zügel und jedes Gebiss. Ein Pferd, das wirklich durchgeht, wäre auch damit nicht zu bremsen. Ein Pferd, das unter mentaler Kontrolle seines Reiters steht, geht nicht durch. Das ist vielleicht schwer zu begreifen und umso verblüffender zu erfahren, und ich wundere mich oft selbst, wie stark dieses „geistige Band“ sein kann. Bei Pferden, bei denen diese Verbindung noch nicht so stark ist, führe ich auf jeden Fall ein Knotenhalfter oder eine Trense mit, die ich aber nur im Notfall einsetze.

Was ich beschreibe klingt vielleicht anspruchsvoll bis abgehoben und, wenn man sich überlegt, ob dieser Weg etwas für einen selbst wäre, etwas entmutigend. Ich habe die Erfahrung gemacht, schneller voranzukommen, als ich es mir jemals erträumt habe. Pferde haben ein solches Entgegenkommen, eine solche Freundlichkeit und Nachsicht, ein so großes Interesse, etwas gemeinsam mit uns zu unternehmen, wenn wir uns nur bemühen, in ihrer Sprache zu reden und ihr Denken zu verstehen. Vor allem dann, wenn wir etwas kreativeres mit ihnen tun, als ihnen mit zwei Zügeln den Kopf festzuhalten. Die Pferde selbst machen es einem leicht, den Weg der zu ihnen führt, auch zu gehen. Man muss nur einmal damit anfangen. Wenn man das geschafft hat, ist der Rest ein Kinderspiel.

Reitkunst trifft Horsemanship

Freie Versammlung